Wochenbericht 21/2026
Hin und Her
Das fortgesetzte Hin und Her rund um die Strasse von Hormus liess die Energiepreise in der vergangenen Woche steigen. Am Spotmarkt kostete ein Fass Rohöl der Sorte Brent zwischen 103 Dollar (11. Mai) und 109 Dollar (15. Mai). Das sind Notierungen im Mittelfeld aller Preise seit Beginn des Irankriegs. Das Positive besteht im Ausblick. Am Terminmarkt, d. h. mit Lieferungen beispielsweise in sechs Monaten, lag der Preis mit 88 Dollar zuletzt deutlich tiefer. Es wird somit mit einer Entspannung gerechnet, auch wenn dies offensichtlich kein Kernthema beim Spitzentreffen von Xi Jinping und Donald Trump war.
Ohnehin endete der Staatsbesuch von Trump in Beijing mit wirtschaftlich wenig greifbaren Ergebnissen. Die Vereinbarungen waren ein Bruchteil dessen, was vor mehr als acht Jahren bei seinem letzten Besuch Chinas beschlossen wurde. Es wurden keine Vereinbarungen verkündet zu Chinas Industriepolitik, zu den dramatischen Überkapazitäten und zu den Exportkontrollen Seltener Erden, auch nicht zu den militärischen Aktivitäten in Asien.
Offensichtlich diktierte Xi die Agenda und man einigte sich «für die nächsten drei Jahre und darüber hinaus» auf eine «konstruktive strategische Stabilität». Überraschende Sanktionen, Zölle oder Angriffe gelte es zu verhindern. Es ging der chinesischen Führung darum, mindestens die Amtszeit Trumps zu überdauern. Xi gewinnt damit Zeit, insbesondere in der Taiwan-Politik, und bezeichnete die USA auf sehr elegante Weise als eine Nation, die sich möglicherweise im Niedergang befindet. Trump fand keine Argumente dagegen.
Als Trump die Rückreise mit leeren Händen antrat, waren die Märkte enttäuscht. Die Ölvorräte sinken im Rekordtempo, an Tankstellen droht neues Ungemach. 700 bis 900 Millionen Fass an Öl und Ölprodukten warten in einer Tankerschlange an der Strasse von Hormus auf grünes Licht. Doch die Ampeln stehen weiterhin auf Rot. Die Anleihensmärkte zeigten sich in der vergangenen Woche besonders empfindlich, weil sie Leitzinserhöhungen als Reaktion auf steigende Inflationswerte befürchten. Die Renditen der 30-jährigen US-Staatsanleihen stiegen auf 5.1% (das dritthöchste Niveau seit Juli 2007), worauf auch die Aktienmärkte negativ reagierten. Die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen in den USA lagen zuletzt bei 4.6%, empfindliche 56 Basispunkte höher als vor dem Irankrieg. Derart hohe Zinsen stellen ein Wachstumsrisiko dar.
Während die Einbussen an den US-Aktienmärkte moderat blieben, verloren Aktienmärkte in Europa vielenorts rund ein Prozent. Der Swiss Market Index (SMI) beendete die vergangene Woche mit 13’220 Punkten (+0.7%) leicht höher. Amrize (-7%) fiel auf den tiefsten Wert seit einem halben Jahr und Swiss Life (-6%) sucht noch immer den Boden für eine nachhaltige Erholung. Dagegen überzeugte Zurich Insurance (+4%) mit ihrem Bericht zum ersten Quartal. Mit Novartis und UBS (je +3%) zogen zwei weitere SMI-Schwergewichte den Index nach oben.
Thema der Woche: Wirtschaft und Wirklichkeit

Die Sorgen um die Kaufkraft vieler Menschen wird gerade jeden Tag grösser. In vielen Ländern steigt die Inflation momentan stärker als die Lohntüte. Der Dauerengpass an der Strasse von Hormus lässt Energiepreise rund um den Globus ansteigen und allmählich greift dies auch auf weitere Bereiche über. Hinzu kommen Nachrichten über die rückläufige Wettbewerbsfähigkeit klassischer Industrienationen auf dem Weltmarkt. Manche Produkte sind verhältnismässig teurer geworden, andere überzeugen weniger mit ihren Eigenschaften. Ein Beispiel dafür ist die europäische Automobilindustrie, die Marktanteile an chinesische Wettbewerber verlor.
Und an den Aktienmärkten gibt es einzelne Bereiche, die dennoch von Rekord zu Rekord eilen. Wie passt das zusammen?
Die Menschen leben in der Gegenwart. Ihre Sorgen kreisen um den Alltag, um stabile Preise und individuelle Erwerbsperspektiven. An den Börsen dagegen wird die Zukunft gehandelt. Wo man der Auffassung ist, die Gegenwart wird nicht schlimmer und die Zukunft besser, steigen die Kurse. Der Risikoindikator VIX ist zwar seit Jahresbeginn von 14 auf 18 gestiegen, doch die aussergewöhnliche Zuversicht überströmt vor allem Technologiewerte in den Bereichen KI, Cloud-Dienstleistungen und Halbleiter. Die Kernaktien in diesen Bereichen jagen nach neuen Rekorden.
Viele Data Center, in denen die KI-Modelle trainiert werden, sind schuldenfinanziert. Der Bau benötigt nicht nur Beton, Stahl, Kupfer und Silizium, sondern wird bei Zinsen von 5% und mehr ziemlich kostspielig. Entsprechend reagieren die Aktien in entsprechenden «Zulieferbranchen» sensibel, wenn die Zinsen weiter steigen.
Hinzu kommt der kurze Entwicklungszyklus der KI-Modelle wie auch der KI-spezifischen Chips, die oftmals schon nach zwei, drei Jahren überholt sind. Was in Wirklichkeit ebenfalls zum Sorgenbarometer beiträgt, ist der Energiehunger der Server. In Ländern wie der Niederlande, Dänemark und Irland wurde der dynamische Ausbau von grossen Data Center zwischenzeitlich gestoppt, weil das Stromnetz sich ohnehin schon am Limit befindet. In Irland verbrauchen die Data Center bereits rund 32% des gesamten Strombedarfs. Microsoft, Amazon und Google wollten weitere Data Center errichten. Die Nachfrage nach KI wird gewiss zulegen, doch die physikalische Realität stösst an Grenzen, die sich nicht gleichermassen rasch verschieben lassen.
Die wichtigsten Termine in der neuen Woche
| 18. Mai 2026 | USA: NAHB Wohnungsmarkt Index Mai |
| 20. Mai 2026 | Vereinigtes Königreich: CPI und PPI Inflation April |
| 21. Mai 2026 | Eurozone, USA: diverse Einkaufsmanagerindizes PMI Mai |
| 22. Mai 2026 | Deutschland: ifo Geschäftsklima & Erwartungen Mai |
Podcast / Veranstaltungen
Neu: «Zugerberg Finanz Perspektive» – Finanzwissen für unterwegs.
Der Podcast liefert kompakte Einordnungen zu Märkten, Wirtschaft und Geldanlagen. Chefökonom Prof. Dr. Maurice Pedergnana und CIO Cyrill von Burg erklären komplexe Themen verständlich. Finanzen müssen nicht kompliziert sein.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2026
Der nächste Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick findet am Dienstag, 16. Juni 2026 im Theater Casino in Zug sowie am Donnerstag, 18. Juni 2026 im KKL in Luzern statt.
Durch das Programm führt der Gründer und CEO Timo Dainese. Chefökonom Prof. Dr. Maurice Pedergnana und CIO Cyrill von Burg erläutern in einer Podiumsdiskussion die Aussichten für die Wirtschaft und die Kapitalmärkte.
Als Gastreferenten begrüssen wir Herrn Dr. phil. Helmut Stalder, einen renommierten Historiker, Publizisten sowie Autor zahlreicher historischer Sachbücher und Biografien.
Informationsveranstaltung für Privatpersonen – Vortragssprache Schweizerdeutsch – Geld anlegen ist auch Vertrauenssache
Am Donnerstag, 17. September 2026 findet bei uns im Lüssihof eine Informationsveranstaltung für Privatpersonen statt. Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten.
Marktdaten
| Aktienmärkte | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| SMI | 13'220.2 | –0.4% | |
| SPI | 18'681.0 | +2.5% | |
| DAX € | 23'950.6 | –2.2% | |
| Euro Stoxx 50 € | 5'827.8 | +0.6% | |
| S&P 500 $ | 7'408.5 | +8.2% | |
| Dow Jones $ | 49'526.2 | +3.0% | |
| Nasdaq $ | 26'225.1 | +12.8% | |
| MSCI EM $ | 1'668.2 | +18.8% | |
| MSCI World $ | 4'741.6 | +7.0% | |
| Obligationenmärkte | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| SBI Dom Gov TR | 218.3 | –2.1% | |
| SBI Dom Non-Gov TR | 121.2 | –0.2% | |
| Immobilienmärkte | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| SXI RE Funds | 588.4 | –2.2% | |
| SXI RE Shares | 4'746.4 | +5.0% | |
| Rohstoffe | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| Öl (WTI; $/Bbl.) | 105.4 | +83.6% | |
| Gold (CHF/kg) | 114'858.7 | +4.4% | |
| Bitcoin (USD) | 79'081.2 | –9.8% | |
| Wechselkurse | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| EUR/CHF | 0.9147 | –1.7% | |
| USD/CHF | 0.7869 | –0.7% | |
| EUR/USD | 1.1625 | –1.0% | |
| Kurzfristige Zinsen | |||
|---|---|---|---|
| 3M | Prog. 3M | Prog. 12M | |
| CHF | -0.05% | -0.1%–0.0% | -0.1%–0.0% |
| EUR | 2.23% | 1.9%–2.1% | 1.7%–1.9% |
| USD | 3.65% | 3.4%–3.6% | 3.0%–3.3% |
| Langfristige Zinsen | |||
|---|---|---|---|
| 10-Jahre | Prog. 3M | Prog. 12M | |
| CHF | 0.54% | 0.2%–0.5% | 0.4%–0.7% |
| EUR | 3.14% | 2.8%–3.0% | 2.5%–2.8% |
| USD | 4.59% | 4.1%–4.4% | 3.7%–4.0% |
| Teuerung | |||
|---|---|---|---|
| 2025 | 2026P | 2027P | |
| Schweiz | 0.1% | 0.3% | 0.5% |
| Euroraum | 2.2% | 1.8% | 1.8% |
| USA | 3.0% | 2.5% | 2.0% |
| Wirtschaft (BIP real) | |||
|---|---|---|---|
| 2025 | 2026P | 2027P | |
| Schweiz | 1.2% | 1.3% | 1.5% |
| Euroraum | 1.4% | 1.4% | 1.7% |
| USA | 2.3% | 2.2% | 2.0% |
| Global | 3.0% | 3.0% | 3.0% |