Der Swiss Market Index beendete vergangene Woche mit einem versöhnlichen Ausklang bei 14’235 Punkten – knapp unter seinem Allzeithoch. Doch von Euphorie kann keine Rede sein, vielmehr dominieren Sorgen. An der Strasse von Hormus bleibt der Schiffsverkehr noch immer weit von seiner Kapazität entfernt. Das bringt zunächst einmal etwas Unruhe auf den spannungsgeladenen Rohölmarkt. Andererseits bleibt interessant, wo das iranische Öl hingeht, das seit einiger Zeit Käufer sucht. Ebenfalls spannend ist, wie mittlerweile Russland zum Importeur von Diesel und Benzin aus Indien mutierte, weil die eigenen Raffinerien durch ukrainische Angriffe havariert wurden. Rollenwechsel prägen den Nahen Osten. Noch stärker als die Revolutionswächter aus dem Iran haben da die USA an Ansehen und Vertrauen verloren. Derzeit sind Gespräche zwischen Oman und Indien im Gange, weil sich Oman mehr Support von Delhi als von Washington erhofft. Zwischen den beiden Ländern gibt es schon einen Austausch seit mehr als 2’000 Jahren. Oman verspricht sich mehr Sicherheit, vermutlich auch die Vereinigten Arabischen Emirate, von Indien. Dafür sind sie bereit, die in den nächsten Jahrzehnten stark wachsende Volkswirtschaft mit Öl und Gas zu versorgen. Standardmässig wird von einer «China+1»-Strategie gesprochen, wenn ein Unternehmen wie Apple seine Smartphones nicht nur in China, sondern auch in Indien zusammenstellen lässt. Viele Unternehmen sind jedoch erst am Anfang der Umsetzung dieser Strategie. China bleibt die dominierende «Weltfabrik». Möglicherweise wird deren Anteil an der weltweiten Güterproduktion von derzeit rund 35% in den nächsten Jahren auf bis zu 40% ansteigen. Gewiss ist aber auch, dass zahlreiche westlich orientierte Unternehmen die Optionen in ihren Lieferketten ausbauen. Aber dies bedingt auch, dass sich das Wissen beispielsweise für hochentwickelte Siliziumtechnologien verbreitert. Einseitige Abhängigkeiten können bei einer plötzlichen Unterbrechung der Lieferketten zentrale Industrie- und Technologiesektoren nahezu über Nacht lahmlegen. Das haben wir in der Pandemie erfahren, aber der Leidensdruck, um im Westen Veränderungen vorzunehmen, nahm seit 2023 wieder stark ab. Die Realität des technologischen Fortschritts besteht darin, dass China derzeit bei etwa 67 von 75 Schlüsseltechnologien weltweit führend ist, darunter Solarenergie, Elektromobilität, Batterien, Windräder, Robotik und Quantencomputing. Der 15. Fünfjahresplan 2026–2030 legt noch mehr Wert als bisher auf hochwertiges Wachstum dank technologischer Marktführerschaft, um die Unabhängigkeit in Schlüsseltechnologien auszubauen. Konkret bedeutet dies, dass Tausende Studiengänge in Geisteswissenschaften, Kunst und Fremdsprachen verschwinden und die Studierenden auf die Fächer der Zukunft (z. B. Zukunftsrobotik, KI in der Wirtschaft) zugeteilt werden. Im Westen wird darauf mit protektionistischen Handelspolitiken und Zöllen reagiert. Dabei wäre es viel wichtiger, in Schlüsseltechnologien selbst wieder eine führende Stellung zu erlangen. Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit müssten viel höhere Beachtung bekommen, wollte man die industrielle Lieferkettenabhängigkeit von China und Taiwan tatsächlich verringern.
Dieser Anlagesommer kennt keine Ruhe. In der laufenden Woche startet die Berichtssaison zum ersten Halbjahr. Von besonderem Interesse wird jedoch der Ausblick sein. Alle werden über die Entwicklung ihrer KI-Strategie berichten müssen, natürlich auch über Kosten und Nutzen ihrer Hochgeschwindigkeitsspeicher für KI. Überzeugende Wachstumsstrategien mit einem klaren Renditenutzen durch KI: Darauf fokussieren derzeit die Analysten und strategischen Investoren. Vor allem bei den Kosten ist es teils zu massiven Steigerungen gekommen. Die Abrufe («Token») aus einer Datenbank können beim jüngsten Modell Anthropic Claude 5 beinahe 3 Franken kosten; Abrufe mit der älteren Version kosten dagegen nur einen Bruchteil davon.
Keinen ruhigen Sommer dürften die Halbleiteraktien haben. Nach parabolischen Kursanstiegen in den vergangenen neun Monaten ist es in jüngster Zeit gleich mehrfach zu (vorübergehenden) Preiseinbrüchen von 10% und mehr gekommen. Doch das Chip-Rally hat ein Fundament. Rechen- und Speicherchips bleiben gewiss entscheidende Elemente von KI, aber möglicherweise stellt Energie letztlich den grössten Engpass dar.
Schliesslich muss man sich vor Augen führen, dass Halbleiteraktien zwar in erster Linie abhängig von den Bestellungen der Data-Center-Erbauer («Hyperscaler») sind, letztlich jedoch von der Zahlungsbereitschaft der Endkunden. Hier ist zu beobachten, dass die unternehmensbezogenen Budgets für Tokens nicht im Gleichschritt mit den Investitionsausgaben der Hyperscaler in den Jahren 2026 bis 2028 zunehmen. Das lässt die entscheidende Frage offen, bei welchen Wettbewerbern wie rasch die Monetarisierung eintreffen wird.
Ganz andere Sorgen hat Ken Griffin, Gründer und CEO der weltberühmten Citadel, wegen der Abhängigkeit der USA vom taiwanesischen Halbleiterunternehmen TSMC. Hätte man durch eine militärische Eskalation oder eine Blockade Chinas ihrer abtrünnigen Provinz keinen Zugang mehr zu deren Halbleitern, wäre eine heftige Rezession zu erwarten, da TSMC-Rechenchips in jedem heute hergestellten High End Produkt verbaut seien.
Griffin forderte die westlichen Staats- und Regierungschefs auf, die umfassendere Realität des chinesischen technologischen Fortschritts anzuerkennen, und betonte, dass protektionistische Handelspolitiken unzureichend seien. Stattdessen müsse die Jugend so ausgebildet werden, dass westliche Unternehmen wieder wettbewerbsfähig, innovativ und problemlösend sein könnten.
«Zugerberg Finanz Perspektive» – Finanzwissen für unterwegs
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Wir freuen uns, Sie an der Zuger Herbstmesse auf einen Schwatz und ein Glas Wein begrüssen zu dürfen. Weitere Informationen folgen in Kürze über unsere Webseite.