Zuletzt beobachteten wir Schwankungen auf den Aktien- und Währungsmärkten. Steigende Anleihensrenditen und anhaltende Zweifel, ob sich alle KI-Investitionen rasch genug rechnen würden, liessen Technologietitel schwanken. Der Nasdaq 100 verlor innert Wochenfrist klar (-2.5% in USD; -3.9% in CHF), ebenso der Weltaktienindex (-2.6% in CHF), weil auch asiatische Märkte Schwäche zeigten.
Die Ankündigung von US-Finanzminister Scott Bessent, weit mehr Käufe von US-Staatsanleihen zu tätigen als erwartet, sorgte nur für eine kurzlebige Entspannung bei den Renditen, bei der Währung dagegen für eine deutliche Abwertung (-1.5% USD/CHF). Im US-Schuldenmarkt kann man schneller und mehr Geld anlegen als in jedem anderen Anleihenmarkt. Doch es mehrten sich jüngst Zweifel am Anker des weltweiten Finanzsystems. Mehr als 40 Billionen Dollar betragen inzwischen die Schulden der USA. Vor einem Jahrzehnt waren es noch halb so viel. Das Defizit des Staates beträgt etwa 6.5% des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 32.4 Billionen Dollar. Nicht auszudenken, wo das BIP-Wachstum läge, würde die Wirtschaft nicht mit massiven Staatsdefiziten «gedopt», die höher liegen als in jeder anderen bedeutenden Industrienation.
Eine Konsolidierung des Staatshaushalts steht allerdings nicht auf der politischen Agenda von Donald Trump. Deshalb müssen die USA, wollen sie sich Geld beispielsweise für 30 Jahre leihen, aktuell so hohe Zinsen zahlen wie seit 2007 nicht mehr. Anleger sorgten sich über die anhaltend hohen Ölpreise (+15% in den vergangenen zwei Wochen) und hohen Raffineriemargen, was zu erhöhten Inflationsraten insbesondere in energieintensiven Volkswirtschaften wie den USA sorgen und damit auch zu steigenden Staatsschulden führen dürfte. Folglich wollten zahlreiche Investoren ihre langfristigen Anleihen loswerden, was deren Kurse drückte und die Renditen ansteigen liess. Auf der Suche nach Alternativen griffen selbst institutionelle Anleger bei Gold und Bitcoin zu. Der Goldpreis stieg auf mehr als 4’600 Dollar pro Feinunze und der Bitcoin auf über 77’000 Dollar.
Der Swiss Market Index (SMI) legte in der vergangenen Woche dagegen auf 14’457 Punkte zu (+0.5%) und liegt seit Monatsbeginn klar im Plus (+0.8%). Der SMI bietet derzeit, was gefragt ist: robuste Bilanzen, nachvollziehbare freie Cashflows, Preissetzungsmacht und eine geografisch breite Streuung von Umsätzen und Gewinnen. Die vergangene Woche beendete Geberit (+7%) an der Spitze vor den Gesundheitswerten Roche (+6%), Lonza (+5%) und Novartis (+4%). Der Sanitärtechniker Geberit wuchs das neunte Quartal in Folge und hielt die Margen auf hohem Niveau. Die Region Europa, in der Geberit fast 90% des Umsatzes erwirtschaftet, legte stark zu (+5.6%).
Allgemein zeigt sich, dass die europäische Konjunktur an Fahrt gewinnt. In der Eurozone beschleunigte sich das annualisierte BIP-Wachstum von 0.8% auf 1.6% im zweiten Quartal. Der Industrie-PMI stieg zuletzt von 51.9 auf 52.8: Das ist der höchste Stand seit Mai 2022. Höhere Verteidigungsausgaben und Investitionen in Data Center zeigen offensichtlich auch in Europa ihre volkswirtschaftliche Wirkung.
Die Schweiz wächst kaum mehr. Das jährliche Bevölkerungswachstum liegt seit 2017 unter 1.0% und erreichte auch im vergangenen Jahr nur 0.8%. Der auffälligste Punkt ist allerdings die Alterung, der sich auch die Schweiz nicht entziehen kann. Bei der Altersstruktur kam es 2025 zu einer historischen Verschiebung. Erstmals in der Geschichte der Eidgenossenschaft übertrifft der Altersquotient den Jugendquotienten.
Wirtschaftlich betrachtet bedeutet dies, dass mehr Personen aus dem Arbeitsmarkt austreten als Junge nachrücken. Entsprechend fehlt es nicht nur an Arbeitskräften, sondern auch an Beitragszahlern für die Altersvorsorge wie auch für alle anderen Sozialversicherungswerke. Die bevölkerungsstärksten Jahrgänge unter den Schweizerinnen und Schweizern liegen zwischen 55 und 69 Jahren. Sie werden die Belastungen in den kommenden Jahrzehnten in die Höhe schrauben, ohne dass Aussichten auf eine nachhaltige Finanzierung vorliegen.
In den letzten Jahren haben insbesondere die Anzahl der über 90-jährigen zugenommen. Mittlerweile sind es rund 90’000, 31% davon sind männlich, 69% weiblich. Bei den über 100-jährigen liegt der weibliche Anteil bei über 83%. Die zunehmende Langlebigkeit wird eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderung. Zwar bildet sich eine riesige Branche um das Thema der ewigen Gesundheit. Der Körper sollte möglichst vital und gesund bleiben. Schon 25-jährige machen sich Sorgen um ihre Falten, mehr noch als um ihre Altersfinanzierung. Und 50-jährige sind sich vielfach immer noch nicht bewusst, mit welcher Wahrscheinlichkeit wie alt sie werden. Aber wer erst mit 60 Jahren mit der Finanzplanung beginnt, ist wirklich spät dran.
Viele unterschätzen generell ihre Lebenserwartung und wählen bei ihrem Anlageprofil eine zu kurze Periode. Wichtig ist die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren (mehr als 22 Jahre bei allen Frauen und rund 26 Jahre bei den vermögenden Frauen – Tendenz steigend) und jene im Alter von 80 Jahren. Die Sterbetafeln zeigen jedenfalls die Trends seit den Geburtsjahrgängen 1876 auf. Nun gehen die Jahrgänge 1961 bis 1966 in die (Früh-)Pensionierung. Sollte sich die Entwicklung der Sterblichkeit in dieser Weise fortsetzen, werden Männer und Frauen mit Geburtsjahr 2017 durchschnittlich 91 bzw. 94 Jahre alt, vermögende etwa 3 Jahre mehr.
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