Zwei Themen bewegen die Märkte: Ölpreise und KI. Der Anstieg der Ölpreise auf zeitweise 108 Dollar löste in der vergangenen Woche eine Verkaufswelle von Aktien und Anleihen aus. Dieser Anstieg war erneut auf den US-Präsidenten Donald Trump zurückzuführen, der mit einer Eskalation des Kriegs mit dem Iran drohte. Das wiederum löste verstärkte Angriffe Irans auf Tanker in der Strasse von Hormus aus und schraubte damit den politischen Risikozuschlag beim Öl in die Höhe. Später erklärte Trump, die USA hätten «produktive Gespräche» mit dem Iran geführt und würden vor den Zwischenwahlen von einem Angriff auf das Land absehen. Das liess den Ölpreis auf 100 Dollar fallen. Hinzu kam noch sein Pakt mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, um russische Diesellieferungen im Vorfeld der US-Zwischenwahlen auf den Markt zu bringen. Der Dieselkraftstoff, oft als Arbeitspferd der Weltwirtschaft bezeichnet, hat sich durch beschädigte Infrastrukturen und Spekulation massiv verknappt und den Dieselpreis in die Höhe getrieben. In den USA ist der Dieselpreis pro Gallone von 2.12 Dollar zu Jahresbeginn auf 5.26 gestiegen und wurde nach Bekanntwerden der Nachricht über das «Trump-Putin-Abkommen» noch immer auf 4.66 gehandelt, einem saisonalen Allzeithoch. Jedes Mal, wenn die Ölpreise wieder steigen, führt dies zu verstärkten Inflationsängsten. Das wiederum könnte die Zentralbanken dazu führen, die Leitzinsen anzuheben, was zu höheren Anleiherenditen und somit tieferen Anleihenskursen führt. Letztlich sorgt dies auch für mehr Druck auf die Aktien. Auf den Anleihensmärkten sind die wichtigsten Renditen auf Mehrjahrzehnthochs angestiegen. Selbst brillante Ergebnisse (Samsung Electronics) und eindrückliche Umsatzzuwächse (TSMC) vermochten auf den Aktienmärkten keine Begeisterung zu wecken. Vielmehr kamen in der vergangenen Woche Zweifel auf, ob die hohen Investitionen von OpenAI in KI sich je rechnen werden. Das führte zu Druck auf Halbleiteraktien. Die Aktien des OpenAI-Investors Softbank büssten 5% ein. Der von Nvidia unterstützte Rechenzentrumsbetreiber Firmus verschob einen geplanten Börsengang im Umfang von rund 5 Milliarden Dollar und entschied sich angesichts der Marktturbulenzen stattdessen für eine private Kapitalbeschaffung. Auch SpaceX von Elon Musk wehte ein kühler Wind entgegen. Die Firma benötigt 40 Milliarden Dollar, um damit KI-Chips von Nvidia zu kaufen. 30 Milliarden sollten über Anleihen beschafft werden, doch die Risikoprämien sind auf über 200 Basispunkte angestiegen. Demnach kostet es gegenwärtig rund 20’000 Dollar pro Jahr, um eine Million Dollar SpaceX Anleihen gegen einen Zahlungsausfall zu versichern. Schon im Juni nahm SpaceX 25 Milliarden Dollar auf und auch hier verstärken sich Bedenken, wie aggressiv das Unternehmen seine KI-Pläne finanziert. Der Swiss Market Index blieb mit 13’787 Punkten seit Monatsbeginn mehr oder weniger stabil (-0.3%) bei einer erhöhten Volatilität von rund 16. In den vorangegangenen drei Monaten lag diese durchschnittlich bei 14.
In der vergangenen Woche war eine Beobachtung besonders spannend, denn wir konnten in Paris eine umgekehrte Dynamik der traditionellen Markthierarchien beobachten. Traditionell gelten Staatsanleihen als Massstab für Sicherheit am Anleihenmarkt, doch dem ist nicht mehr so: Französische Unternehmensanleihen im Wert von rund 215 Milliarden Euro werden derzeit so gehandelt, als wären sie sicherer als Staatsanleihen. Unternehmen mit soliden Bilanzen und einer klaren Strategie werden gegenüber Staatsanleihen offensichtlich bevorzugt. Rund 38% der Unternehmensanleihen in Frankreich wie L’Oréal, Air Liquide und TotalEnergies wiesen niedrigere Renditen auf als Staatsanleihen mit vergleichbarer Laufzeit. Diese Entkoppelung zeigt, wie stark die Nachfrage nach Unternehmensanleihen und wie schwach das Vertrauen in den Staat ist. Global besteht eine grosse Sorge über verfehlte Defizitziele in Frankreich, über die Blockade bei einem neuen Staatshaushalt und über die Präsidentschaftswahl in rund sechs Monaten. Der Internationale Währungsfonds (IWF), der üblicherweise dann zum Einsatz kommt, wenn arme Länder in eine Schuldenkrise geraten, macht sich inzwischen nicht nur über Frankreich, sondern generell über Amerika, Europa und Japan Sorgen. Deren Kreditkosten sind auf Mehrjahreszehnthochs gestiegen. Um die höheren Kreditkosten der historisch hohen Staatsschulden zu bedienen, werden noch mehr Kredite aufgenommen, wodurch ein Teufelskreis entstehen kann. Das wird ab heute an der IWF-Jahrestagung das Hauptthema sein. Staaten werden Schwierigkeiten haben, ihren Bürgern bei anderen Aufgaben das gegenwärtige Niveau aufrechtzuerhalten. Die Kombination von steigenden Energiepreisen, Inflation und Zinsen beunruhigt vor allem deshalb, weil sich die Verschuldung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften auf einem historischen Höchststand befindet. Diese Schulden sind ein Erbe der Ära des billigen Geldes, in der viele Sozialleistungen erhöht wurden, und der inzwischen gestiegenen Refinanzierungskosten. Schon vor der jüngsten Phase noch höherer Zinsen zahlten die Regierungen der «reichen» Welt über 3,3 Billionen Dollar Zinsen jährlich. Immer mehr Geld wird somit benötigt, um nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit zu finanzieren. Die Hilfe vom IWF ist immer an Reformprogramme gebunden. Derzeit glauben die Regierungen in Ländern wie Grossbritannien, Frankreich und Deutschland immer noch, ohne Reformen die Zukunft bewältigen zu können. Das ist wohl der grösste Irrtum in der gegenwärtigen Politik.
Informationsveranstaltung für Privatpersonen – Vortragssprache Englisch – Longevity II: Investing for a Longer Life
Am Mittwoch, 21. Oktober 2026 um 18:00 Uhr findet unsere nächste Informationsveranstaltung für Privatpersonen auf Englisch statt. Der Anlass richtet sich an englischsprachige Personen, die sich unverbindlich einen Eindruck von unserem Unternehmen verschaffen wollen.
Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie im englischsprachigen Bereich unserer Website.
Zuger Messe 2026
Wir sind auch in diesem Jahr wieder an der Zuger Messe präsent. Die grösste Herbstausstellung für Handel und Gewerbe in der Zentralschweiz findet von Samstag, 24. Oktober bis Sonntag, 1. November 2026 auf dem Stierenmarktareal in Zug statt. Wir freuen uns, Sie an der Zuger Herbstmesse in der Halle B1 an unserem Stand (B1.18) zu begrüssen.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Januar 2027
Der nächste Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick findet am Mittwoch, 13. Januar 2027 im Theater Casino in Zug sowie am Dienstag, 19. Januar 2027 im KKL in Luzern statt. Durch das Programm führt der Gründer und CEO Timo Dainese. Chefökonom Prof. Dr. Maurice Pedergnana erläutert die Aussichten für die Wirtschaft und die Kapitalmärkte.
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