Wochenbericht 19/2026
Aktien bleiben im Aufwind
Im Wesentlichen lassen die weltweit relevanten Zentralbanken ihre Leitzinsen unverändert. Sie reagieren damit erwartungsgemäss nicht auf höhere Inflationszahlen, die in höheren Energiepreisen begründet sind und global letztlich nur eine Ursache kennen: die geschlossene Strasse von Hormus. In Stunden und Tagen, in denen sich die Aussichten auf eine Öffnung verbessern, sinken die Öl- und Gaspreise. Das löst dann sogleich eine kollektive Kaufbewegung an den Aktien- und Anleihensmärkten aus. Genau umgekehrt verhält es sich, wenn sich die Aussichten wieder einmal verschlechtern. Beides erlebten wir in den vergangenen Wochen.
Die geopolitische Lage ist herausfordernd, aber nicht unberechenbar. Täglich werden Preise gehandelt, beispielsweise über die Inflation in einem Jahr oder in fünf Jahren. Auch die Öl- und Gas-Preise für Lieferungen in drei respektive sechs Monaten sind nicht spekulativ, sondern finden tagtäglich ein Marktgleichgewicht. Der Finanzmarkt ist viel breiter aufgestellt, als man sich das vorstellen könnte. Deshalb ist die tatsächliche Wirklichkeit viel berechenbarer als die täglichen Schlagzeilen, die uns den Eindruck einer unsicheren und unübersichtlichen Weltwirtschaft vermitteln.
Während man es gewohnt ist, bei den höchsten Vertretern von Zentralbanken in einer Rede jede einzelne Abweichung von einem bisherigen Standpunkt geldpolitisch und zinsbezogen zu interpretieren, ist das in Bezug auf das Weisse Haus vergebliche Liebesmüh. Da können sich welterschütternde Äusserungen beispielsweise gegenüber dem Iran im Stundentakt ablösen mit hoffnungsvollen Interpretationen einer allfälligen Verhandlungslösung. Oder glaubt man, das Thema Zölle sei beerdigt, greift Trump gleich wieder in die Zoll-Kiste. Viele Aussagen sind von äusserst vorübergehender Natur. Genau dieser Sachverhalt lässt die Äusserungen des US-Präsidenten mittlerweile berechenbar erscheinen, und die Märkte reagieren kaum noch auf die Ankündigungen auf «Truth Social».
In Europa haben Börsianer die monatelange Schliessung der Strasse von Hormus nie wirklich ausgeblendet. Dennoch kippte die Anlegerstimmung, die im März vom Krieg in Iran geprägt war, im April ins Positive, begleitet von einer Rotation hinein in defensive Branchen. Energiewerte waren gesucht, Infrastrukturaktien legten zu, Telekommunikation-Aktien entwickelten sich gut. Aktien von konjunktursensitiven und konsumnahen Unternehmen kamen dagegen vermehrt unter Druck, u. a. weil das frei verfügbare Einkommen der privaten Haushalte verstärkt für Benzin, Gas und Heizöl benötigt wird.
Ihre hohe Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit unter Beweis stellten zahlreiche US-Techkonzerne mit ihren jüngsten Quartalsberichten. Alphabet (4’660 Mrd. USD) und Amazon waren zuletzt eindrückliche Gewinner und verringerten ihren Rückstand auf Nvidia (4’800 Mrd. USD) als höchstbewertete Unternehmung der Welt. Der Swiss Market Index, d. h. die Summe der grössten Schweizer Aktien, beträgt einen Bruchteil davon (1’430 Mrd. CHF). Mit zuletzt 13’136 Punkten bewegt sich der SMI leicht unter dem Wert des Jahresbeginnes (-1.0%).
Thema der Woche: Erfreuliche Berichtssaison

Von den US-Techkonzernen wie Alphabet, Amazon, Apple und Microsoft wurden die Erwartungen im ersten Quartal 2026 übertroffen. Zugleich wurde zusammengezählt verkündet, dass mehr als bisher angenommen in Data Center investiert wird. Allein bei Alphabet dürften es in diesem Jahr 185 Milliarden Dollar werden, im kommenden Jahr nochmals 25% mehr. Das sind historisch noch nie beobachtete Werte. Allerdings muss man auch den Kontext der Auftragsbücher sehen. Das Cloud-Auftragsbuch von Alphabet hat sich mit 460 Mrd. Dollar gegenüber dem Vorquartal nahezu verdoppelt. Bei Microsoft beträgt das Auftragsbuch von Cloud-Service Azure 627 Mrd. Dollar. Auch bei Amazon schnellte der Cloud-Umsatz von AWS so rasch in die Höhe wie seit 15 Quartalen nicht mehr.
Der Investitionsboom belebt natürlich auch diejenigen Unternehmen, die von Subaufträgen profitieren: ABB, Schneider Electric, Siemens, aber auch Holcim, Amrize und Sika sowie Chip-bezogene Unternehmen wie TSMC, Samsung oder auch Infineon, VAT Group und Belimo. Unsere DecarbRevo-Lösungen liegen deshalb auch deutlich im Plus im bisherigen Jahresverlauf.
Bemerkenswert ist noch ein weiterer Sachverhalt. Google (Alphabet) und Amazon, die bislang zu den wichtigsten Abnehmern der marktführenden Nvidia-Chips zählen, entwickeln mit Hochdruck ihre eigenen KI-Chips – nicht nur um die Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren, sondern auch um eine externe Kundschaft zu bedienen. Google wird damit noch im laufenden Jahr beginnen.
Einen überraschend guten Start ins neue Jahr verzeichnete die attraktiv bewertete UBS, die unterstrich, dass sie auf Kurs sei, die finanziellen Ziele für 2026 zu erreichen. Ungemütlicher dürfte es für den Lifthersteller Schindler werden, da der weltweit dritt- und viertgrösste Anbieter fusionieren wollen. Die finnische Kone will die deutsche TK Elevator ihren Private Equity-Investoren abkaufen. Damit entstünde auf einen Schlag die Nummer 1 der Welt. Schindler befürchtet einen Preiskrieg und will mit Kartellklagen die Fusion verzögern respektive verhindern.
Die wichtigsten Termine in der neuen Woche
| 5. Mai 2026 | Schweiz: Landesindex für Konsumentenpreise April |
| 6. Mai 2026 | Eurozone: HCOB Einkaufsmanagerindizes PMI April |
| 7. Mai 2026 | Deutschland: Industrielle Aufträge März |
| 8. Mai 2026 | USA: Beschäftigungsentwicklung April |
Podcast / Veranstaltungen
Neu: «Zugerberg Finanz Perspektive» – Finanzwissen für unterwegs.
Der Podcast liefert kompakte Einordnungen zu Märkten, Wirtschaft und Geldanlagen. Chefökonom Maurice Pedergnana und CIO Cyrill von Burg erklären komplexe Themen verständlich. Finanzen müssen nicht kompliziert sein.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2026
Der nächste Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick findet am Dienstag, 16. Juni 2026 im Theater Casino in Zug sowie am Donnerstag, 18. Juni 2026 im KKL in Luzern statt.
Durch das Programm führt der Gründer und CEO Timo Dainese. Chefökonom Prof. Dr. Maurice Pedergnana und CIO Cyrill von Burg erläutern in einer Podiumsdiskussion die Aussichten für die Wirtschaft und die Kapitalmärkte.
Als Gastreferenten begrüssen wir Herrn Dr. phil. Helmut Stalder, einen renommierten Historiker, Publizisten sowie Autor zahlreicher historischer Sachbücher und Biografien.
Informationsveranstaltung für Privatpersonen – Vortragssprache Schweizerdeutsch – Geld anlegen ist auch Vertrauenssache
Am Donnerstag, 17. September 2026 findet bei uns im Lüssihof eine Informationsveranstaltung für Privatpersonen statt. Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten.
Marktdaten
| Aktienmärkte | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| SMI | 13'136.3 | –1.0% | |
| SPI | 18'551.1 | +1.8% | |
| DAX € | 24'292.4 | –0.8% | |
| Euro Stoxx 50 € | 5'881.5 | +1.6% | |
| S&P 500 $ | 7'230.1 | +5.6% | |
| Dow Jones $ | 49'499.3 | +3.0% | |
| Nasdaq $ | 25'114.4 | +8.1% | |
| MSCI EM $ | 1'601.4 | +14.0% | |
| MSCI World $ | 4'674.3 | +5.5% | |
| Obligationenmärkte | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| SBI Dom Gov TR | 220.7 | –1.1% | |
| SBI Dom Non-Gov TR | 121.7 | +0.1% | |
| Immobilienmärkte | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| SXI RE Funds | 597.7 | –0.6% | |
| SXI RE Shares | 4'989.7 | +10.4% | |
| Rohstoffe | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| Öl (WTI; $/Bbl.) | 101.9 | +77.5% | |
| Gold (CHF/kg) | 116'022.1 | +5.4% | |
| Bitcoin (USD) | 77'870.6 | –11.2% | |
| Wechselkurse | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| EUR/CHF | 0.9150 | –1.7% | |
| USD/CHF | 0.7821 | –1.3% | |
| EUR/USD | 1.1721 | –0.2% | |
| Kurzfristige Zinsen | |||
|---|---|---|---|
| 3M | Prog. 3M | Prog. 12M | |
| CHF | -0.05% | -0.1%–0.0% | -0.1%–0.0% |
| EUR | 2.20% | 1.9%–2.1% | 1.7%–1.9% |
| USD | 3.66% | 3.4%–3.6% | 3.0%–3.3% |
| Langfristige Zinsen | |||
|---|---|---|---|
| 10-Jahre | Prog. 3M | Prog. 12M | |
| CHF | 0.40% | 0.2%–0.5% | 0.4%–0.7% |
| EUR | 3.02% | 2.8%–3.0% | 2.5%–2.8% |
| USD | 4.37% | 4.1%–4.4% | 3.7%–4.0% |
| Teuerung | |||
|---|---|---|---|
| 2025 | 2026P | 2027P | |
| Schweiz | 0.1% | 0.3% | 0.5% |
| Euroraum | 2.2% | 1.8% | 1.8% |
| USA | 3.0% | 2.5% | 2.0% |
| Wirtschaft (BIP real) | |||
|---|---|---|---|
| 2025 | 2026P | 2027P | |
| Schweiz | 1.2% | 1.3% | 1.5% |
| Euroraum | 1.4% | 1.4% | 1.7% |
| USA | 2.3% | 2.2% | 2.0% |
| Global | 3.0% | 3.0% | 3.0% |