Wochenbericht 27/2026

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Schweizer Aktienmarkt auf neuem Allzeithoch

Es fühlt sich keineswegs nach Euphorie an, im Gegenteil. Mitten in einer global turbulenten Periode erklomm der Swiss Market Index ein neues Allzeithoch. Der Index, der im Juni 1988 bei 1’500 Punkten initiiert wurde, beendete vergangene Woche bei 14’172 Punkten. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 6.1% seit 38 Jahren – erzielt im grundsoliden Schweizer Franken bei geringer Teuerung. Seit Ende 2025 legte der SMI um 6% zu, und ein Ende dieser Entwicklung ist weiterhin nicht absehbar.
Der Schweizer Leitindex profitierte zuletzt von seinen defensiven Schwergewichten Novartis, Roche und Nestlé. Oftmals, wenn die Aktien auf global bedeutenderen Märkten ins Rutschen geraten, erfreuen sich Anleger wieder am konservativen SMI. Technologie- und Wachstumstitel in den USA wie auch im asiatischen Raum gerieten zuletzt unter Druck. Während der SMI zulegte, büsste der technologielastige Nasdaq in der vergangenen Woche 3.3% ein.
Alphabet wurde zwar in den Dow Jones Index aufgenommen, doch die Aktie handelt nur noch 8% höher als zu Jahresbeginn. Zuletzt verlor die Aktie 5% nicht wegen der Geschäftszahlen, sondern weil wichtige Fachkräfte das Unternehmen verlassen haben. John Jumper, Nobelpreisträger und Mitentwickler von Alphabets KI-Welt, wechselte zu Anthropic. Wenige Tage zuvor wechselte der Co-Leiter zu OpenAI. Das schmälerte den Wert von Alphabet um mehrere zehn Milliarden.
Das sagt alles über den wahren Wettbewerbsvorteil der KI aus. Chips, GPUs und Rechenzentren lassen sich kaufen, aussergewöhnliche KI-Forscher hingegen nicht. KI ist nicht mehr als ein Wettlauf um die Infrastruktur; es ist ein Kampf um Talente. Bei der Technologie, welche die Welt gegenwärtig am stärksten verändert, ist Silizium nicht das knappste Gut. Es sind die Menschen, die wissen, wie man daraus bahnbrechende Errungenschaften macht.
Die Kauflaune verbesserte sich in Europa wie auch in Nordamerika unter dem Einfluss der Friedenspläne im Nahen Osten wie erwartet. Insbesondere die Inflationssorgen milderten sich durch die tieferen Energiepreise. Die Konjunkturerwartungen hellten sich geringfügig auf, obschon auf dem Arbeitsmarkt in der Tech- und Finanz-Branche die rasche KI-Adoption für personelle Rückschläge sorgt.
Bei der spanischen Grossbank Santander sollen bis zu 3’000 Mitarbeitende in ein freiwilliges Vorruhestandsprogramm für Beschäftigte gehen. Banken passen europaweit ihre Strukturen an die zunehmende Nutzung von KI an. Die Technologie soll Prozesse effizienter machen und den Personalbedarf senken. Die UBS hat gegenwärtig 500 KI-Anwendungen im Einsatz und ist im Begriff, weitere 700 einzuführen, um die Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Aber das betrifft selbst kleine Raiffeisenbanken mitten in der Schweiz: Die Bank im Freiamt beispielsweise halbiert ihr Filialnetz von vier auf zwei Standorte.
Der ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, legte zum zweiten Mal in Folge zu. Die Entspannungssignale sind auch daran zu erkennen, dass die Strasse von Hormus zuletzt von 20 bis 30 Schiffen pro Tag passiert wurde.

Thema der Woche: Extreme Hitze kostet uns alle

Der Sommer hat gerade erst begonnen, und manche leiden bereits arg unter der Hitzewelle. Nur gerade 40% der Flächen in Altersheimen, Spitälern, Büros, Restaurants, Kinos und Schalterhallen sind in der Schweiz klimatisiert. In anderen Ländern wird die Klimaanlage als eine grosse Erfindung der Moderne gefeiert. In den USA sind 90% der Haushalte klimatisiert, in Europa nur 19%. Orte wie Singapur, Dubai oder Hongkong/Shenzhen wären ohne Klimaanlagen nicht zu den Wirtschaftszentren geworden, die sie heute sind.

Eckart von Hirschhausen, der bekannte Fernseharzt, vergleicht unser Gehirn, ein hitzeempfindliches Organ, mit dem PC: «Unsere Gehirne sind wie jeder Computer auf stabile Temperaturen angewiesen: Wenn der Zentralrechner im Kopf nicht richtig läuft, sinkt die Produktivität dramatisch.» Ausserdem werde man missmutiger, unkontrollierter und aggressiver, Suizide und Unfälle steigen: «Es heisst nicht umsonst, man müsse einen kühlen Kopf bewahren.» Ignoriert wird aus Hirschhausens Sicht, dass man auch die Medikamenteneinnahme an die Hitze anpassen müsse. So sinke der Blutdruck bei Wärme. «Wenn man dann zusätzlich Blutdrucksenker oder Entwässerungsmittel einnimmt, können die Patienten kollabieren.»

Extreme Hitze kostet uns alle, rechnete jüngst die Allianz vor: als Arbeitnehmer, als Unternehmen und als Steuerzahler. Den fiskalischen Schaden beziffert sie auf rund 0.9% des Bruttoinlandsprodukts im Jahr. Konzentration und Denkleistungen sinken bei Temperaturen über 26 Grad. Der Leistungsabfall sorgt für geringere Produktivität und letztlich einen geringeren Output. Neben geringeren Steuereinnahmen entstünden erhebliche Mehrausgaben für die Gesundheitsversorgung, für die Beseitigung von Infrastrukturschäden und für die soziale Absicherung. Europa muss wohl aufhören, Hitze als blosses Sommerproblem zu betrachten und stattdessen als wirtschaftspolitische Daueraufgabe zu begreifen.

Weitere ökonomische Phänomene sind, dass in der gegenwärtigen Hitzewelle viel Sonnenstrom produziert werden kann, aber die heisse Luft bewegt sich kaum, d. h. faktisch stehen die Windräder still («Hitzeflaute»). Das wirkt sich auf den Strompreis aus. Tagsüber bricht der Börsenstrompreis ein, nach 20 Uhr schnellt er ein Vielfaches hoch. Doch die meisten Haushalte merken dies nicht. Deutschland kennt keinen dynamischen Stromtarif und verschlimmert damit die Lage. Die steigende Elektromobilität und der Zuwachs an Rechenzentren werden die Problematik verschärfen. Der mangelnde Ausbau des Stromnetzes treibt die Kosten der Energiewende in die Höhe.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

29. Juni 2026 Portugal: Spitzentreffen der Zentralbanker in Sinta
30. Juni 2026 USA: JOLTS Job Openings Mai
1. Juli 2026 Eurozone: HICP Inflation und Kerninflation Juni
2. Juli 2026 USA: Beschäftigung, Stundenlöhne, Arbeitslosigkeit Juni

Der Podcast «Zugerberg Finanz Perspektive»

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Zugerberg Finanz Perspektive richtet sich an alle, die mehr aus ihrem Geld machen, Finanzmärkte besser verstehen, fundierte Entscheidungen treffen und in Finanzfragen auf dem neusten Stand bleiben wollen.

Mit der Rubrik «Neue Perspektiven» schaffen wir Raum für inspirierende Gespräche mit spannenden Gästen. Demnächst vertieft Historiker Dr. phil. Helmut Stalder gemeinsam mit Host Maurice Pedergnana ausgewählte Gedanken aus seinem Gastreferat am Wirtschafts- und Börsenausblick Juni 2026.

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Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.25
SMI 14'172.7 +6.8%
SPI 19'954.4 +9.5%
DAX € 24'671.2 +0.7%
Euro Stoxx 50 € 6'221.6 +7.4%
S&P 500 $ 7'357.5 +7.5%
Dow Jones $ 51'920.6 +8.0%
Nasdaq $ 25'358.6 +9.1%
MSCI EM $ 1'706.4 +21.5%
MSCI World $ 4'744.4 +7.1%
Obligationenmärkte Seit 31.12.25
SBI Dom Gov TR 223.8 +0.3%
SBI Dom Non-Gov TR 122.6 +0.9%
Immobilienmärkte Seit 31.12.25
SXI RE Funds 597.1 –0.7%
SXI RE Shares 4'831.1 +6.9%
Rohstoffe Seit 31.12.25
Öl (WTI; $/Bbl.) 71.9 +25.3%
Gold (CHF/kg) 106'437.5 –3.3%
Bitcoin (USD) 59'626.3 –32.0%
Wechselkurse Seit 31.12.25
EUR/CHF 0.9218 –1.0%
USD/CHF 0.8097 +2.2%
EUR/USD 1.1384 –3.1%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF -0.04% -0.1%–0.0% -0.1%–0.0%
EUR 2.29% 1.9%–2.1% 1.7%–1.9%
USD 3.74% 3.4%–3.6% 3.0%–3.3%
Langfristige Zinsen
10-Jahre Prog. 3M Prog. 12M
CHF 0.26% 0.2%–0.5% 0.4%–0.7%
EUR 2.85% 2.8%–3.0% 2.5%–2.8%
USD 4.37% 4.1%–4.4% 3.7%–4.0%
Teuerung
2025 2026P 2027P
Schweiz 0.1% 0.3% 0.5%
Euroraum 2.2% 1.8% 1.8%
USA 3.0% 2.5% 2.0%
Wirtschaft (BIP real)
2025 2026P 2027P
Schweiz 1.2% 1.3% 1.5%
Euroraum 1.4% 1.4% 1.7%
USA 2.3% 2.2% 2.0%
Global 3.0% 3.0% 3.0%
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