Wochenbericht 31/2026

Publikationen

Neue Entwicklungen

Die Rotation in defensive Werte setzte sich in der vergangenen Woche fort und liess europäische Aktienkurse steigen, während jene in den USA eher zurückgingen. In Europa überraschten die Einkaufsmanagerindizes positiv, was für reale Risikoanlagen wie Aktien, Infrastruktur und Immobilien vielversprechend ist. In den USA dagegen mehren sich die Sorgen, ob die immensen Investitionen der Tech-Konzerne auch jemals rentabel sein werden. Selbst die Google-Holding Alphabet weist inzwischen erstmals seit dem Börsengang 2004 einen negativen freien Cashflow aus, weil sie derart viel in Data Center investiert.
Doch auch abseits davon zeigten sich einige überraschende Entwicklungen. In der politischen Dimension rückte das Friedensabkommen der USA mit dem Iran in den Hintergrund, bis die USA eine 13-tägige Serie von Angriffen gegen den Iran am Wochenende vorläufig beendeten. Weil jedoch die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz aus dem Jemen eine weitere Ölroute am südlichen Roten Meer unter Beschuss nahm, stiegen die Rohölnotierungen dennoch wieder gegen 100 Dollar pro Fass (+27% in zwei Wochen).
Kuwait reagierte auf die faktisch geschlossene Strasse von Hormus mit einer 16 Milliarden Dollar Investition in ein Netzwerk von 13 Ölexport-Pipelines, welches von den amerikanisch-kanadischen Private Equity Giganten Blackstone, Brookfield und KKR in Miteigentümerschaft (49%) betrieben wird und das Öl letztlich über den Landweg ans Mittelmeer bringen soll. Es handelt sich mitten im vielschichtigen Nahostkonflikt um die grössten Direktinvestitionen in der Geschichte des Landes.
Die europäischen Gaspreise erreichten in der vergangenen Woche sogar ein neues Jahreshöchst. Und der Dieselpreis stand zuletzt schon mehr als 10% über seinem vorherigen Höchststand aus dem Mai, weil die Raffineriekapazitäten am Persischen Golf wegen der neuen Kämpfe wieder ausser Reichweite des Weltmarkts waren. Hinzu kam, dass Russland seine Exporte zu Monatsbeginn wegen der ukrainischen Angriffe auf Raffinerien einstellen musste.
Das erhöhte die Inflationsprognosen und Befürchtungen einer geldpolitischen Straffung. Weltweit stiegen die kurz- und langfristigen Anleihensrenditen. Die Anleihensmärkte sind durch die Energiepreise, zuletzt aber auch durch die robuste Weltwirtschaft unter Druck gesetzt. Das Unternehmenswachstum und die rekordhohen Kapitalinvestitionen (u. a. für Data Center) entziehen den Kapitalmärkten offensichtlich Liquidität. Ein weiterer Ausverkauf an den Märkten könnte für weiterhin sinkende Anleihenskurse sorgen. Anleihensrenditen erreichten jedenfalls in Ländern wie den USA, Grossbritannien, Deutschland und Frankreich derart hohe Werte, wie sie eine ganze Generation von Anlegern noch nicht erlebte.
Beim Schweizer Aktienmarkt war in der vergangenen Woche zu beobachten, wie die Schwergewichte Roche und Novartis stützend wirkten, während Nestlés maue Wachstumsperspektiven abgestraft wurden. Kühne+Nagel überzeugte mit den jüngsten Quartalszahlen, während der Generikakonzern Sandoz aufgrund neuer US-Zölle auf Nachahmermedikamente negativ reagierte.

Thema der Woche: Die chinesische Wirtschaft und die Sorgen der Parteispitze

Die chinesischen KI-Modelle sind günstig und leistungsfähig. Ebenso die chinesische Industrie, die sich an einer langfristigen Strategie ausrichtet, während wir in Europa die Innovationskraft häufig mit einer unsinnigen Überregulierung im Keim ersticken.
Die technologische Exzellenz Chinas lässt sich in der Elektromobilität, bei Hochgeschwindigkeitszügen, bei Solarmodulen und im Quantencomputing finden – ebenso in der humanoiden Robotik und in der physischen KI-Produktewelt. Dagegen erfährt Europas Autoindustrie derzeit einen China-Schock, doch der wahre Schock kommt in der gesamten Breite wohl erst noch auf uns zu. In der Airline-Industrie entsteht ein neuer Konkurrent zu Airbus und Boeing. Denn von der Verdoppelung der Weltflotte bis 2045 will China mit dem Unternehmen Comac einen bedeutenden Anteil ergattern: ziemlich verlockend, wenn man den Bedarf für 42’000 neue Flugzeuge vor Augen führt.
Man merke sich ebenso Firmen wie Geely, BYD, Unitree und Xiaomi sowie Foxconn. Huawei, Tiktok, Temu und Shein sind wie Alibaba und Tencent längst zu Haushaltsnamen geworden – und «Made in China» zum Qualitätssiegel. Natürlich kann man den chinesischen Handelsüberschuss gegenüber Europa (eine Milliarde Dollar pro Tag) mit unfairem Wettbewerb, künstlich unterbewerteter Währung, subventionierten Überkapazitäten und Exportbeschränkungen von Materialien erklären. Aber damit wird von einer nüchternen Nabelschau abgelenkt: Der Grossteil der verlorenen Wettbewerbsfähigkeit Europas ist hausgemacht.
Es gibt tatsächlich noch ein anderes Bild Chinas. Im Bestreben, die gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung unter Partei-Kontrolle zu halten, mehrt sich der administrative Überwachungsaufwand und die Frustration in der breiten Bevölkerung. Mehr als 100 Millionen Menschen sind arbeitslos und rund 20% der Jugendlichen – trotz einem Mittelschul- respektive Uniabschluss. Der Exporterfolg wird mit sinkenden Löhnen (und mehr Automation) erkauft. Der schwache Konsum ist eine Folge der Deflation. Auch der Autoabsatz in China brach ein, nur der Export stieg: 10 Millionen Autos sollen 2026 verschifft werden. Das sorgt jedoch verstärkt für handelspolitische Abwehrreaktionen auf den Absatzmärkten.
Sinkendes Vertrauen hat die Bevölkerung auch in den Immobilienmarkt. Die Investitionen brachen im ersten Halbjahr 2026 erneut um 18% ein. Seit mehreren Jahren sind die Preise rückläufig. Rund 65 Millionen Wohnungen stehen leer. Die Transformation Chinas ist beachtlich, doch ebenso die Sorge der Parteispitze, denn die Entwicklung wird immer unausgewogener und die Kluft zum Parteiversprechen nach einem besseren Leben wächst.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

27. Juli 2026 Deutschland: ifo Geschäftsklima Juli
29. Juli 2026 Spanien: Arbeitslosenquote Juni
30. Juli 2026 USA: Privater Konsum und Arbeitslosigkeit Juli
31. Juli 2026 Frankreich: Konsumentenpreisindex Juli

Podcast/Veranstaltungen

«Zugerberg Finanz Perspektive» – Finanzwissen für unterwegs

Der Podcast liefert kompakte Einordnungen zu Märkten, Wirtschaft und Geldanlagen. Chefökonom Prof. Dr. Maurice Pedergnana und CIO Cyrill von Burg erklären komplexe Themen verständlich.

Hier zum Podcast


Informationsveranstaltung für Privatpersonen – Vortragssprache Schweizerdeutsch – Geld anlegen ist auch Vertrauenssache

Am Donnerstag, 17. September 2026 findet bei uns im Lüssihof unsere nächste Informationsveranstaltung für Privatpersonen statt. Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten und die sich unverbindlich einen Eindruck zu unserem Unternehmen verschaffen wollen.

Zur Anmeldung


Zuger Messe 2026

Wir sind auch in diesem Jahr wieder an der Zuger Messe präsent. Die grösste Herbstausstellung für Handel und Gewerbe in der Zentralschweiz findet von Samstag, 24. Oktober bis Sonntag, 1. November 2026 auf dem Stierenmarktareal in Zug statt.

Wir freuen uns, Sie an der Zuger Herbstmesse auf einen Schwatz und ein Glas Wein begrüssen zu dürfen. Weitere Informationen folgen in Kürze über unsere Webseite.

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.25
SMI 14'327.2 +8.0%
SPI 20'069.7 +10.2%
DAX € 25'099.0 +2.5%
Euro Stoxx 50 € 6'280.9 +8.5%
S&P 500 $ 7'412.0 +8.3%
Dow Jones $ 51'947.3 +8.1%
Nasdaq $ 24'975.8 +7.5%
MSCI EM $ 1'628.0 +15.9%
MSCI World $ 4'788.9 +8.1%
Obligationenmärkte Seit 31.12.25
SBI Dom Gov TR 219.0 –1.8%
SBI Dom Non-Gov TR 121.4 –0.1%
Immobilienmärkte Seit 31.12.25
SXI RE Funds 604.9 +0.6%
SXI RE Shares 4'760.1 +5.3%
Rohstoffe Seit 31.12.25
Öl (WTI; $/Bbl.) 89.3 +55.5%
Gold (CHF/kg) 106'609.2 –3.1%
Bitcoin (USD) 64'113.7 –26.9%
Wechselkurse Seit 31.12.25
EUR/CHF 0.9303 0.0%
USD/CHF 0.8182 +3.2%
EUR/USD 1.1370 –3.2%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF -0.04% -0.1%–0.0% -0.1%–0.0%
EUR 2.49% 1.9%–2.1% 1.7%–1.9%
USD 3.78% 3.4%–3.6% 3.0%–3.3%
Langfristige Zinsen
10-Jahre Prog. 3M Prog. 12M
CHF 0.49% 0.2%–0.5% 0.4%–0.7%
EUR 3.15% 2.8%–3.0% 2.5%–2.8%
USD 4.68% 4.1%–4.4% 3.7%–4.0%
Teuerung
2025 2026P 2027P
Schweiz 0.1% 0.3% 0.5%
Euroraum 2.2% 1.8% 1.8%
USA 3.0% 2.5% 2.0%
Wirtschaft (BIP real)
2025 2026P 2027P
Schweiz 1.2% 1.3% 1.5%
Euroraum 1.4% 1.4% 1.7%
USA 2.3% 2.2% 2.0%
Global 3.0% 3.0% 3.0%
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