Nach mehreren Monaten beinahe grenzenloser KI-Euphorie auf den Kapitalmärkten kamen in jüngster Zeit vermehrt Zweifel auf, ob es sich nicht doch eher um eine Blase handele. Das ist typisch in der Frühphase von bahnbrechenden technologischen Durchbrüchen. Durch den Buchdruck von Gutenberg fürchteten Adel und Kirche den Kontrollverlust, da plötzlich Wissen und Bildung für die breite Bevölkerung verfügbar wurden. Dabei handelte es sich tatsächlich um die Geburt der Massenkommunikation.
Inzwischen haben diverse Mittel wie Internet, Satelliten und Glasfaserkabel die globale Kommunikation explodieren und die Grenzkosten auf annähernd Null fallen lassen. Alle 60 Sekunden gibt es beim WhatsApp Messenger rund 69 Millionen Mitteilungen; rund 241 Millionen E-Mails werden versendet und 625 Millionen Tiktok-Videos werden geschaut. Und es werden bereits 1.7 Millionen KI-Prompts pro Minute gesendet. Das sind Eingaben, Fragen oder Arbeitsanweisungen an die Künstliche Intelligenz. Das KI-Prompting nimmt derzeit explosionsartig zu, was wiederum Rechner- und Speicherkapazitäten erfordert – und eine Reihe weiterer Aspekte, damit KI seine Aufgaben entsprechend den hohen Erwartungen vollumfänglich erfüllen kann. Der KI-Einsatz steht erst am Anfang.
Einzelne Unternehmen wie Meta bauen Data Center in der Grösse von Manhattan (Beispiel Hyperion), andere sind kleiner, aber nicht weniger ambitioniert. Das liess die Nachfrage nach Infrastruktur, Energie, Kühlsystemen und Chips steigen – und auch die Nachfrage nach Aktien und Anleihen der involvierten Unternehmen, egal ob gross oder klein, nah oder fern. Die gigantischen Investitionen lassen sich allerdings nicht mehr durch freie Geldflüsse aus dem operativen Tagesgeschäft finanzieren. Also zapfte man diverse Quellen der Aussenfinanzierung an: Bankkredite, Anleihens- und Aktienmärkte. Doch die Skepsis, ob sich sämtliche Investitionen letztlich auch rentabilisieren lassen, liess Anleihens- und Aktienkurse sinken und Hedge Funds flohen aggressiv aus dem «KI-Trade», den sie seit April global befeuert hatten.
Wir bleiben jedoch überzeugt davon, dass die Erfindungen in dieser Zeit noch viel Wohlstand generieren werden. Da wir uns jedoch immer noch in der Frühphase aller Inventionen und Innovationen befinden, bleibt unklar, wer mittel- und längerfristig zu den tatsächlichen Gewinnern zählen wird. Aktienkurse sind keine verlässlichen Prognoseindikatoren. Wir decken deshalb mit spezifischen ETFs eine gewisse Breite ab, um die erfolgreichsten Geschäftsmodelle einzufangen. Und wir kombinieren diese mit einem Grundstock von soliden, Cashflow-generierenden Aktien mit einer fairen Bewertung, einem soliden Management, einer robust wachsenden Kundschaft und einer überzeugenden ökonomischen Dividendenkapazität.
Der Swiss Market Index beendete den Juli positiv (+1.1%), während die Tech-Indizes Nasdaq Composite (-3.2%) und Nasdaq 100 (-6.6%) deutliche Einbussen erlitten. Korrigiert haben auch Schwellenländeraktien (-3.3%). Der Weltaktienindex (-0.1%) blieb im Juli stabil, während der Weltanleihensindex (-1.4%, in CHF abgesichert) relativ deutlich zurückging. Der Schweizer Anleihensindex verlor für seine Verhältnisse auch überraschend viel (-1.1%).
Polen ist eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Das hat zur Folge, dass Polen demnächst in allen Indizes vom Status als Schwellenland in jene als Industrienation umgestuft wird. Der Marktleader MSCI stuft Polen immer noch als «Emerging Country» ein, doch bei S&P Dow Jones Indices wird Polen seit dem 14. Juli offiziell als «Developed Market» betrachtet – als eines von nur 25 Ländern.
Zurückzuführen ist dies auf eine bemerkenswerte 35-jährige Transformation. 1989 war Polen ein kommunistisches Land mit einer zusammengebrochenen Wirtschaft. Die Intelligenzija wurde ausgelöscht. Die Regale waren leer, Kaugummiverpackungen wurden wie eine solide Währung getauscht und man musste jahrelang auf einen winzigen Fiat 126p warten. Es gab keine Einkaufszentren, keine Markenprodukte, keinen McDonald’s.
Seither wurde Polen eine der stärksten wachsenden Volkswirtschaften Europas und überstand die Finanzkrise von 2008 ohne ein einziges Quartal der Rezession. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf lag bei 1’800 Dollar (1991) und ist heute bei 25’000 Dollar: höher als in Spanien, und Polen könnte bald auch Grossbritannien einholen. Es ist aber auch mehr als das Pro-Kopf-BIP von Tschechien, der Slowakei und Ungarn, die alle von der Europäischen Union (EU) in ihrer strukturellen Entwicklung als vollwertige Mitglieder ebenfalls unterstützt wurden.
Polen verfügt über eine gut ausgebildete Bevölkerung. Harte Arbeit und Unternehmergeist sowie eine moderne Infrastruktur zeichnen das Land aus. Polen ist der viertgrösste Handelspartner von Deutschland und überholte damit Frankreich. Zu hoffen bleibt, dass es in Südosteuropa ähnliche Entwicklungen geben wird. Viele Finanzhäuser lagern Dienste ins verlässliche Polen aus, auch immer mehr Industrieunternehmen wie Huber+Suhner, deren wachstumsstärkstes Produktsegment aus Krakau stammt, wo sich zwei Produktionsstätten befinden.
Polen wächst derzeit um 3.8% jährlich und hat eine grosse Zukunft vor sich, falls sich die politische Stabilität verbessert. Das Land wird sich als Wachstumsführer in der EU behaupten können, sofern die Investitionsdynamik in den Energie- und Innovationsbranchen vorangetrieben wird. Beispielhaft wurden die Verteidigungsausgaben längst über die Zielquote der NATO gehoben. Auch da wird Polen als «Musterschüler» betrachtet. Jedenfalls hat Polen inzwischen eine Einladung zum G-20-Treffen im Dezember nach Miami erhalten.
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