Die vergangene Woche war geprägt von US-Präsident Donald Trump. Wenige Wochen vor den Zwischenwahlen am 3. November markierte er den starken Mann. Er blieb gegenüber allen Annäherungen von Iran hart und will die Strasse von Hormus als Trump-Strasse bezeichnen. Er versprach jedem erwachsenen Amerikaner 5’000 Dollar, vorausgesetzt, die Republikaner behalten bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Kongress. Und er versprach, dass gleich nach den Wahlen der äusserst unpopuläre Krieg gegen Iran enden werde. Dann sei auch Schluss mit der Inflation. Der Preis für ein Fass Rohöl werde auf 40 Dollar fallen. An Trumps tiefen Zustimmungswerten änderten die Versprechen nichts.
Vielmehr stiegen die Rohölnotierungen am vergangenen Donnerstagabend auf über 109 Dollar (+77% seit Jahresbeginn) und die Gaspreise in Europa noch mehr (+190%). Letztere liegen inzwischen deutlich höher als beim Ausbruch des Kriegs in der Ukraine, und der Füllstand liegt in Europa immer noch unter 70%. Der rasante Anstieg der Öl- und Gasnotierungen in den letzten zwei Wochen geht auf neue Waffengänge an der Strasse von Hormus zurück. Das schürt Inflationssorgen und sorgt für Nervosität auf den Anleihensmärkten. Der Ölpreis hat die Inflation in der Eurozone auf über 3.3% hochgetrieben, was die Europäische Zentralbank veranlasste, in der vergangenen Woche die Leitzinsen abermals zu erhöhen, um sich ausweitende Inflationsrisiken zu reduzieren. Sie zielt damit insbesondere auf überhöhte Inflationserwartungen, welche die Preispolitik der Unternehmen und Lohnverhandlungen prägen.
An den Finanzmärkten wird darüber spekuliert, ob die US-Federal Reserve in dieser Woche denselben Schritt machen wird. Die Inflation stieg auf 3.4%. Die Kerninflation, bei der schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden, lag allerdings nur bei 2.4%. Die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Straffung liegt dennoch bei knapp 90%. Es wäre die erste Leitzinserhöhung seit Juli 2023. Damals handelte es sich um den Abschluss des Leitzinserhöhungszyklus als Antwort auf die postpandemische Inflationswelle, welche die Inflationsraten bis auf 10% getrieben hatte. Der Weltanleihensindex fiel im Zuge der Inflation um 16% und hat sich bis zum Kriegsbeginn im Iran etwas erholt. Seither verlor er jedoch wieder 4% und liegt wieder 16% tiefer als vor fünf Jahren.
Global betrachtet sind die Anleihensmärkte nicht nur riesig (rund 300 Billionen Dollar), sondern auch grösser als alle Aktienmärkte zusammen. In ruhigen Zeiten werden die Anleihen kaum beachtet, in turbulenten umso mehr. Inzwischen ist eine derartige Phase eingetreten. Die Anleihensrenditen liegen so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr; entsprechend gross sind die Kursverluste insbesondere auf Wertpapieren mit einer hohen Restlaufzeit. Zweifel an der finanziellen Tragbarkeit der Staatsschulden haben nicht nur die USA erfasst, sondern auch Grossbritannien, Frankreich und Italien. Da liegen die Renditen bei den langfristigen Staatsanleihen inzwischen bei mehr als 5%. Noch etwas mehr müssen Unternehmen offerieren, wenn sie Anleihen emittieren.
In der vergangenen Woche büsste der Swiss Market Index deutlich mehr ein (-4.3%) als der US Dow Jones (-1.6%) sowie die grössten europäischen Aktienmärkte. Der SMI entwickelte sich seit Monatsbeginn (-3.6%) etwa gleich wie die asiatisch-pazifischen Märkte, die ebenfalls mit einem schwierigen September zu kämpfen haben.
Der Pharmakonzern Novartis (-14% in der vergangenen Woche) war für den besonderen Rückschlag beim SMI ausschlaggebend. Die Aktie verlor praktisch die ganze positive Jahresperformance innert weniger Tage. Der Pharmakonzern hält trotz eines Rückschlags bei seinem Hoffnungsträger zur Behandlung einer seltenen Muskelerkrankung an seiner mittelfristigen Wachstumsprognose fest. Der Umsatz solle von 2025 bis 2030 weiterhin um durchschnittlich 5% bis 6% pro Jahr zulegen. Kurz zuvor hatte Novartis bereits einen Fehlschlag bei einem Herzmedikament zu melden.
Der von Novartis abgespaltene Konzernteil Sandoz erfreut dagegen die Investoren. Sandoz will seinen Nettoumsatz zwischen 2025 und 2035 mehr als verdoppeln und richtet seinen Fokus dafür neu aus. Mit der neuen Strategie Bio100 solle der Schwerpunkt von klassischen Generika auf Biosimilars (Nachahmerpräparate von Biopharmazeutika) verlagert werden. Bis 2040 soll das Portfolio dieser Medikamente von derzeit 13 auf 100 Präparate anwachsen.
Zurück in den Startlöchern ist auch der Aktienkurs von Nestlé (-1%). Der Lebensmittelkonzern erhöht die Preise und reformuliert Produkte, um gestiegene Energie-, Fracht- und Rohstoffkosten infolge des Nahost-Konflikts zu bewältigen. CEO Philipp Navratil sagte, jeder Lieferant habe Kostensteigerungen, die das Unternehmen abfedern müsse. Der Konflikt führe weltweit zu inflationärem Druck bei den Zulieferern. Um sich das am generellen Beispiel der USA vor Augen zu führen: Die durchschnittlichen Erzeugerpreise erhöhten sich im August (+5.4% vs. Vorjahr). Auch das ist ein Grund, weshalb Nestlé Produkte, für die Verbraucher nicht bereit seien, höhere Preise zu zahlen, streichen wird.
Global für Furore sorgte Apple (+4%) mit seinem Einstieg in den wachstumsstarken Markt für faltbare Smartphones. Der neue Konzernchef John Ternus stellte das «iPhone Duo» vor – mit dem grössten Display, das es je bei einem iPhone gab, und dennoch passt es problemlos in die Hosentasche. Es könne ab dem 16. Oktober zu Preisen ab 1‘999 Dollar vorbestellt werden.
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