Die am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten für Mai, die einen Zuwachs von 172’000 Arbeitsplätzen auswiesen – mehr als doppelt so viel wie die Konsensprognose von 85’000 – stellten den stärksten Beschäftigungszuwachs innerhalb von drei Monaten seit über zwei Jahren dar. Das trieb die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf 4.5%. Vor drei Monaten lagen sie noch bei 4.1%, verbunden mit der Hoffnung, dass die Renditen sinken würden. Doch diese Zuversicht wich der nüchternen Feststellung, wonach höhere Renditen (bei den zweijährigen sind es sogar 60 Basispunkte mehr als vor drei Monaten) wohl den Rest des Jahres prägen werden. Das liess die Anleihens- und Aktienkurse parallel fallen. Trotz des von Donald Trump nominierten, neuen Chairman der Federal Reserve (Fed) stieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed bis zum Jahresende klar.
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran bleibt weiterhin äusserst angespannt. Der iranische Aussenminister erklärte, es gebe keine nennenswerten Fortschritte bei den Atomgesprächen, und die Hisbollah lehnte einen von den USA vermittelten Waffenstillstand im Libanon ab, wodurch der Brent-Rohölpreis in der Bandbreite von 93 bis 95 Dollar pro Barrel blieb.
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) liess die Leitzinsen in seiner jüngsten Sitzung Ende April 2026 unverändert. Die mittelfristigen Folgen des Iran-Kriegs lassen sich weiterhin schwer einschätzen, doch ist die Inflationsrate in der Eurozone auf mittlerweile 3.2% gestiegen, deutlich über die Zielgrösse von 2.0%. Der EZB-Rat ist sich der zunehmenden Risiken für die Preisstabilität bewusst und sehr wachsam. Deshalb rechnen wir damit, dass er das Nötige tun wird, damit sich der energiegetriebene Preisanstieg nicht ausbreitet und verfestigt. Die sich abzeichnende erste Zinserhöhung des Zyklus liess den Euro auf 0.92 steigen.
Auch der Dollar legte in der vergangenen Woche spürbar zu, konkret auf knapp 0.80. Das ist insofern relevant, weil sich damit die Verluste an der Technologiebörse Nasdaq nicht so stark anfühlen. Aus dem herben Rückgang (-4.7% innert Wochenfrist, nach einer beispiellosen Hausse) resultierte in Franken noch eine verhältnismässig moderate Bewegung (-2.8%). Um Liquidität für anstehende Technologie-Börsengänge zu generieren, sind offensichtlich andere Risikoanlagen veräussert worden. Der Bitcoin-Kurs (-18%) war ein solches Signal, aber auch Amazon (-9%) und Microsoft (-8%).
Turbulent verlief die Woche für Partners Group (-14%), weil eine Begrenzung der Rücknahmen bei einem ihrer wichtigsten «Evergreen»-Fonds öffentlich wurde. Nachdem Rücknahmeanträge in Höhe von 9.8% eingegangen waren, wurden die Anleger über die branchenübliche, maximale Rücknahmelimite von 5% informiert; die restlichen 4.8% werden in einem Quartal zurückbezahlt. Das kennt man auch aus anderen relativ illiquiden Märkten (Immobilienfonds). Diese Regeln sollen ein mittel- bis längerfristige Realinvestitionen ermöglichen. Auf ein neues Jahreshoch hievte sich dagegen Kühne+Nagel (+16% seit Jahresbeginn Gesamtrendite).
Lassen wir uns auf ein kleines Gedankenexperiment ein. Nehmen wir an, Anfang 2026 hätte uns ein allwissender Prophet erzählt, wie die Welt fünf Monate später aussehen wird. Die USA würden kein verlässlicher Partner mehr für Europa sein. Ohne grössere Not würde der neue US-Präsident, der den Friedensnobelpreis anstrebt, einen neuen Krieg vom Zaun brechen und in der Heimat maximal an Zuspruch verlieren. Der Ölpreis würde von 60 Dollar auf 120 Dollar steigen, und sämtliche Volkswirtschaften hätte mit einer neuen Welle der Inflation zu kämpfen. Statt Leitzinssenkungen gäbe es Leitzinserhöhungen. In der Ukraine verlöre Putins Armee immer mehr. China nutze eine marktwirtschaftliche Exportoffensive, um die europäische Industrie in den Ruin zu treiben und den eigenen technologischen Vorsprung auszubauen. Hyperintelligente KI-Modelle wie Claude Mythos könne man nur noch unter Hochsicherheitsaspekten einzelnen Unternehmen anvertrauen.
Der zweite Teil des Experiments wäre dann die Frage, wo sich die Aktienmärkte befinden würden, wenn sich dies alles bewahrheiten sollte. Ich glaube, ein Grossteil hätte darauf gewettet, dass die Märkte einbrechen würden. Doch das ist nicht der Fall. Der Swiss Market Index (SMI) steht zwar lediglich bei +0.9% und der technologiebasierte US-amerikanische Nasdaq bei +10.6%, doch die wahren Gewinner der letzten Monate waren der taiwanesische Index mit dem Aushängeschild TSMC (+55.6%) und der südkoreanische Index mit den Aushängeschildern Samsung Electronics und SK Hynix (+93.7%). Die Chip-Werkbänke der Welt stehen auf einer von China bedrohten Insel (aus chinesischer Sicht eine abtrünnige Provinz) und einer von Nordkorea bedrohten Halbinsel.
Die drei auf Halbleiterproduktion spezialisierten Unternehmen dominieren nicht nur ihre Länder-Indizes und damit auch den MSCI Emerging Markets Index. Ihre Bewertungssprünge werden auch von US-Unternehmen wie Intel und Micron Technology nachgeahmt. Deren Kursverlauf in den vergangenen Tagen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die KI-Thematik die Aktienmärkte dominiert.
Wer in «langweilige» Langfrist-Renditebringer wie Versicherungstitel, Immobilienaktien oder Beteiligungsvehikel wie Berkshire Hathaway investierte, hat seit Jahresbeginn eine negative Performance hinnehmen müssen. Aber nicht nur Technologie lief bislang gut, auch Energieversorger, denn die Anwendung dieser Technologien, benötigt sehr viel Energie und Energieinfrastruktur. Zudem gewinnen auch Telekom-Unternehmen an Fahrt. Gerade das Wachstum durch KI-verbundenen Geräte eröffnet der Branche in naher Zukunft neue Opportunitäten.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2026
Der nächste Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick findet am Dienstag, 16. Juni 2026 im Theater Casino in Zug sowie am Donnerstag, 18. Juni 2026 im KKL in Luzern statt. Durch das Programm führt der Gründer und CEO Timo Dainese. Chefökonom Prof. Dr. Maurice Pedergnana und CIO Cyrill von Burg erläutern in einer Podiumsdiskussion die Aussichten für die Wirtschaft und die Kapitalmärkte. Als Gastreferenten begrüssen wir Herrn Dr. phil. Helmut Stalder, einen renommierten Historiker, Publizisten sowie Autor zahlreicher historischer Sachbücher und Biografien.
Zur Anmeldung
Informationsveranstaltung für Privatpersonen – Vortragssprache Englisch – Business, Economic and Stock Market Outlook
Am Donnerstag, 25. Juni 2026 um 18:00 Uhr findet unsere nächste Informationsveranstaltung für Privatpersonen auf Englisch statt. Der Anlass richtet sich an englischsprachige Personen, die sich unverbindlich einen Eindruck zu unserem Unternehmen verschaffen wollen.
Zugerberg Finanz Classic 2026 – Rückblick
Am vergangenen Mittwoch zeigte sich der Zugerberg nach einer kurzen Regenperiode von seiner besten Seite. Bei strahlendem Sonnenschein bildete er die perfekte Jubiläums-Kulisse für den 30. Zugerberg Finanz Classic Run.
Zum Rückblick