Wochenbericht 25/2026
Aussichten verbessern sich
Am Sonntag sollen sich die involvierten Parteien auf einen Rahmenvertrag für ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran geeinigt haben. Die offizielle Unterzeichnungszeremonie soll am kommenden Freitag in der Schweiz stattfinden. Der dreieinhalbmonatige Krieg wird damit offiziell beendet. Der Vertrag sieht die Aufhebung der von den USA verhängten Blockade iranischer Häfen vor. Die Meerenge von Hormus werde unmittelbar nach Unterzeichnung des Abkommens für alle geöffnet. Die Zukunft des rund 440 Kilogramm hoch angereicherten Urans wird Bestandteil des Friedensabkommens sein.
Zu den Verlierern in jüngster Zeit zählt gewiss die Weltwirtschaft, die energiepreisbedingt einen abrupten Anstieg der Inflationsraten in Kauf nehmen musste. Einzelne Zentralbanken haben bereits mit Leitzinserhöhungen darauf reagiert. Das wird an der ersten Sitzung unter dem neuen Chairman Kevin Warsh gewiss nicht passieren.
Vielmehr verbessern sich nun die Perspektiven – für zahlreiche arme Länder wie auch für die reichen Nationen. Die Rohölnotierungen, die von Jahresbeginn bei 60 $ auf 120 $ hochschossen, sind bereits wieder auf 83 $ gefallen. Die Terminkurse liegen mehrheitlich schon näher bei 70. Doch bevor die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus wieder reibungslos funktionieren kann, müssen bis Freitag die Seeminen geräumt werden.
Manche Länder werden in den kommenden Quartalen dazu übergehen, ihre strategischen Ölreserven nicht nur wieder zu äufnen, sondern darüber hinaus deutlich zu erhöhen. Diese zusätzliche Nachfrage dürfte die Preise über 60 $ verweilen lassen, doch immerhin gleiten nun die Inflationserwartungen retour. Damit kann es im Laufe des Jahres doch noch zu Leitzinssenkungen kommen, wie wir das zu Jahresbeginn erwartet haben. Beides wird die Konsumentenstimmung in vielen Ländern deutlich erhöhen, ebenso das Geschäftsklima.
Dieses Umfeld vergünstigt das Kapital, verstärkt die Investitionspläne und erhöht die Ertragsperspektiven. Kapitalintensive Investitionen, die in zahlreichen Infrastrukturthemen anstehen (Data Center, Energie, Verkehr), dürften sich rascher monetarisieren lassen. Kapitalintensive Geschäftsmodelle (z. B. Holcim, Amrize, Deutsche Telekom) werden ebenfalls profitieren, andere wiederum indirekt von der zukünftig erhöhten Neubau- und Renovationstätigkeit bei rückläufigen Zinsen (z. B. Geberit). Durch das neue Umfeld gilt es generell, Zykliker zu bevorzugen.
Die Anleihenskurse werden wieder steigen. Der Dollar könnte in Aussicht auf tiefere Zinsen und geringere Renditen wohl wieder seinen Abwärtstrend aufnehmen. Damit wäre der Weg frei für einen substanziellen Wiederanstieg des Goldpreises, da diverse Zentralbanken nicht mehr Notverkäufe tätigen müssten, um ihre Währung gegenüber dem Dollar zu sichern.
Tiefere Energiepreise und tiefere Zinsen dürften den europäischen Aktien einen Schub verleihen. Der EuroStoxx 50 (+2.1%) und der Swiss Market Index (+2.4%) zählten bereits in der vergangenen Woche zu den besten Wochenperformern weltweit. Falls man es vergessen haben sollte: Von Jahresanfang bis zum Kriegsbeginn haben europäische Indizes die US-Aktienmärkte um rund 6% übertroffen. Es bleibt somit eine gute Chance, dass sich dies in den kommenden Wochen und Monaten wiederholt.
Thema der Woche: Man darf träumen

Der Börsengang von SpaceX hat den nüchternen Analysten einen Rückschlag versetzt. Keine der 23 am Börsengang beteiligten und mit insgesamt 500 Millionen $ grossartig vergüteten Banken durfte einen Bericht vor dem Börsengang erstellen. Das war Teil der Vereinbarung, um die Menschen zum Träumen zu bringen. Nüchterne Zahlen sollten nicht im Vordergrund stehen, sondern Visionen.
Ein Politiker müsste neidisch werden. Denn genau das fehlt dem grössten Teil der Bevölkerung: grossartige Politiker mit Visionen. Hoffentlich wird mit dem Visionär Elon Musk alles gut kommen. Die Märkte, so werden wir wieder einmal belehrt, werden nicht auf der Grundlage von Gewinnen, sondern aufgrund von Hoffnungen und Träumen bewertet. Zwischen Tesla und nun SpaceX können Investoren endlich all die Themen zum Ausdruck bringen, die ihre Fantasie beflügelt haben: KI, Robotik, Weltraumforschung, Rechenzentren, Humanoide, Robotaxis, Arzneimittelforschung und die Belebung von Mond und Mars. Die Hoffnungen und Träume sind masslos übertrieben, aber die Menschen mögen sie.
Die zukünftigen Gewinne werden die gegenwärtigen Bewertungen nicht rechtfertigen. Das mag dann irgendwann mal den Zyklus der euphorischen Visionen zu Ende führen, doch das ist ein Prozess, der noch einige Zeit dauern dürfte, bis er sich vollzieht. Tesla, einst Pionier in der Elektromobilität, hat die Marktführerschaft längst verloren, auch bei den Humanoiden und in der KI. Im vergangenen Quartal erzielte der Konzern einen Gewinn von lediglich 43 Cents pro Aktie. Aber das hält Investoren nicht davon ab, das Tausendfache für die Aktie von Tesla zu bezahlen. Die Gesellschaft wird derzeit mit sagenhaften 1’526 Milliarden $ bewertet.
Trotz enormer Fantasie bei Starlink und dem Raumfahrtgeschäft liegt bei SpaceX (Space Exploration Technologies Corp.) der Verlust pro Aktie bei 83 Cents. Der Streubesitz ist noch gering, doch allein 4’400 Mitarbeitende, ein Fünftel der Belegschaft, sind nun auf dem Papier Millionäre geworden. Sie werden wie viele Aktionäre einmal einen Teil veräussern wollen, aber für uns ist nicht sicher, ob es bei einer Bewertung von 2’100 Milliarden $ genügend Käufer gibt: Mit einer Ausnahme, die ETFs. Sie müssen kaufen, und zwar enorm viel, wenn die Sperrfrist der gegenwärtigen Aktionäre schrittweise nach dem 70. Tag auslaufen wird.
Die wichtigsten Termine in der neuen Woche
| 15. Juni 2026 | G7-Gipfel in Evian, Frankreich bis Mittwoch |
| 16. Juni 2026 | Japan: Bank of Japan Zinsentscheidung |
| 17. Juni 2026 | USA: Erste Sitzung von Chairman Kevin Warsh, Governor Federal Reserve |
| 18. Juni 2026 | USA: Arbeitslose, Philly Fed Geschäftsindikator Juni |
Veranstaltungen
«Zugerberg Finanz Perspektive» – Finanzwissen für unterwegs
Der Podcast liefert kompakte Einordnungen zu Märkten, Wirtschaft und Geldanlagen. Chefökonom Prof. Dr. Maurice Pedergnana und CIO Cyrill von Burg erklären komplexe Themen verständlich.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2026
Der nächste Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick findet am Dienstag, 16. Juni 2026 im Theater Casino in Zug sowie am Donnerstag, 18. Juni 2026 im KKL in Luzern statt.
Durch das Programm führt der Gründer und CEO Timo Dainese. Chefökonom Prof. Dr. Maurice Pedergnana und CIO Cyrill von Burg erläutern in einer Podiumsdiskussion die Aussichten für die Wirtschaft und die Kapitalmärkte.
Als Gastreferenten begrüssen wir Herrn Dr. phil. Helmut Stalder, einen renommierten Historiker, Publizisten sowie Autor zahlreicher historischer Sachbücher und Biografien.
Informationsveranstaltung für Privatpersonen – Vortragssprache Englisch – Business, Economic and Stock Market Outlook
Am Donnerstag, 25. Juni 2026 um 18:00 Uhr findet unsere nächste Informationsveranstaltung für Privatpersonen auf Englisch statt. Der Anlass richtet sich an englischsprachige Personen, die sich unverbindlich einen Eindruck zu unserem Unternehmen verschaffen wollen.
Marktdaten
| Aktienmärkte | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| SMI | 13'708.0 | +3.3% | |
| SPI | 19'326.9 | +6.1% | |
| DAX € | 24'635.3 | +0.6% | |
| Euro Stoxx 50 € | 6'187.6 | +6.8% | |
| S&P 500 $ | 7'431.5 | +8.6% | |
| Dow Jones $ | 51'202.3 | +6.5% | |
| Nasdaq $ | 25'888.8 | +11.4% | |
| MSCI EM $ | 1'716.0 | +22.2% | |
| MSCI World $ | 4'788.2 | +8.1% | |
| Obligationenmärkte | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| SBI Dom Gov TR | 220.0 | –1.4% | |
| SBI Dom Non-Gov TR | 121.8 | +0.3% | |
| Immobilienmärkte | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| SXI RE Funds | 586.8 | –2.4% | |
| SXI RE Shares | 4'733.2 | +4.7% | |
| Rohstoffe | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| Öl (WTI; $/Bbl.) | 84.9 | +47.8% | |
| Gold (CHF/kg) | 108'127.8 | –1.8% | |
| Bitcoin (USD) | 63'418.5 | –27.6% | |
| Wechselkurse | Seit 31.12.25 | ||
|---|---|---|---|
| EUR/CHF | 0.9219 | –1.0% | |
| USD/CHF | 0.7971 | +0.6% | |
| EUR/USD | 1.1568 | –1.5% | |
| Kurzfristige Zinsen | |||
|---|---|---|---|
| 3M | Prog. 3M | Prog. 12M | |
| CHF | -0.04% | -0.1%–0.0% | -0.1%–0.0% |
| EUR | 2.38% | 1.9%–2.1% | 1.7%–1.9% |
| USD | 3.66% | 3.4%–3.6% | 3.0%–3.3% |
| Langfristige Zinsen | |||
|---|---|---|---|
| 10-Jahre | Prog. 3M | Prog. 12M | |
| CHF | 0.42% | 0.2%–0.5% | 0.4%–0.7% |
| EUR | 2.99% | 2.8%–3.0% | 2.5%–2.8% |
| USD | 4.48% | 4.1%–4.4% | 3.7%–4.0% |
| Teuerung | |||
|---|---|---|---|
| 2025 | 2026P | 2027P | |
| Schweiz | 0.1% | 0.3% | 0.5% |
| Euroraum | 2.2% | 1.8% | 1.8% |
| USA | 3.0% | 2.5% | 2.0% |
| Wirtschaft (BIP real) | |||
|---|---|---|---|
| 2025 | 2026P | 2027P | |
| Schweiz | 1.2% | 1.3% | 1.5% |
| Euroraum | 1.4% | 1.4% | 1.7% |
| USA | 2.3% | 2.2% | 2.0% |
| Global | 3.0% | 3.0% | 3.0% |